Extreme Armut und linke Regierungen

Ich bin ja nun schon seit 4 Monaten unterwegs und habe sowohl sozialistische als auch kapitalistische Länder in Südamerika bereist und mich ein wenig umgeschaut, habe mit vielen Menschen gesprochen und Eindrücke gewonnen. Ich bin nun wirklich kein Experte auf diesem Gebiet, doch die Beobachtungen, die ich gemacht habe, sind doch offensichtlich: In Ländern, wie Kuba, Venezuela oder Bolivien habe ich fast keine Menschen auf der Straße schlafen oder leben sehen, im Andenstaat hat selbst das kleinste Dorf eine Krankenstation beziehungsweise ein kleines Hospital. Das Bildungswesen auf Kuba ist vorbildlich, die Analphabetenquote in allen ländern ist stark rückläufig. Lebensmittel und Baumaterial werden subventioniert.
Und wie sieht es in den kapitalistischen Vorzeigeländern aus? Wenn man in Brasilien, das sich dem globalen Wettbewerb komplett geöffnet hat, mal morgens durch die Straaßen geht, sieht man die Menschen dort aufwachen, eingehült in Pappe und Stofffetzen. Drogensüchtige liegen ebenfalls in den Straßen und die sozialen Unterschiede im Land sind enorm. In Argentinien, das dabei ist von Hedgefonds in die Knie gezwungen zu werden, ist es nicht ganz so schlimm, aber auch dort sieht man den Verfall der öffentlichen Infrastruktur und die Armut einiger Menschen im Straßenbild.

Nun Venezuela ist wirklich am Ende, dort sieht man, dass der Staat teilweise wirklich schwach ist, und es sehr viele Nöte im Land gibt. Doch auf Kuba und in Bolivien, werden die Investitionen des Staates in die Daseinsfürsorge im Land deutlich sichtbar. Verbesserungen, die die Menschen auch zu spüren bekommen, wie Erneruerung des Straßennetzes, Ausbau der Wasserversorgung, Neugestaltung der öffentlichen Plätze.

Bleibt ein großes Manko: Die Unfreiheit der Menschen. Bolivien ist nun eine Demokratie, wenn vielleicht auch mit Defiziten, Kuba generell nicht. Bei Venezuela weiß man es nicht. Die Eindrücke meiner bisherigen Reise lassen mich jedoch stark daran zweifeln, ob die von Weltbank, Währungsfonds und vielen kapitalistischen Ländern propagierte Art und Weise der Öffnung für die internationalen Märkte der richtige Weg für die Menschen armer Länder und Regionen ist. Freiheit und soziale Gerechtigkeit, wie immer eine Utopie.

Abschied von Kuba

Eigentlich wollte ich eine Zusammenfassung über die letzten 23 Tage schreiben, aber das geht natürlich nicht, also gibt es einen, sicherlich unvollständigen Überblick über meine Eindrücke und Erlebnisse.

Überall auf der Insel fiel mir die Herzlichkeit der Menschen auf, sei es in den Casas, auf der Straße oder bei der Fahrt im Auto. Das bereitet mir selbst beim Zurückblicken noch viel Freude.

Und ich habe den Eindruck, dass es im Land voran geht. Die freigegebenen Berufe werden stark angenommen, überall machen sich die Menschen selbständig, servieren tolles Essen, arbeiten als Barbiere oder in einem Friseursalon, verkaufen Eis oder füllen Feuerzeuge nach. Es wird an allen Ecken und Enden gebaut und aufgehübscht, klar liegt noch vieles im argen, so manche Ruine wäre bei uns ein Schandfleck, auf Kuba ist sie ein Teil eines ganzen Straßenzuges oder eines ganzen Viertels.

Doch den bleibenden Eindruck hinterlassen dabei eher die vielen kolonialen Bauten in ihrer ganzen Pracht, dazu die die Städte umgebende Natur in ihrer Vielfalt von trockener Kakteenlandschaft bis zum tropischen Regenwald gleich neben karibischen Stränden, auf Kuba gibt es einfach alles.

Doch die schönsten Bauten und die tollste Natur können nicht über die teilweise sehr kargen Verhältnisse in denen viele Menschen leben hinwegtäuschen, hoffen wir, dass es weiterhin aufwärts geht und dass Kuba seinen eigenen Weg erfolgreich meistert. Auf den Straßenplakaten wird für einen Sozialismus der Prosperität und der Nachhaltigkeit geworben, ob es unbedingt Sozialismus sein muss, weiß ich nicht, dafür verstehe ich wohl zu wenig von der Insel, aber die anderen beiden Dinge wünsche ich mir. Und ich kenne ja auch den Vergleich zu anderen Karibikinseln, und da finde ich, schneidet Kuba alles andere als schlecht ab!

Ansonsten kann ich die vergangenen 23 Tage auf Kuba nur als atemberaubend schön mit unglaublichen Erfahrungen beschreiben. Ich finde nicht, dass auf Kuba, wie viele sagen, die Zeit still gestehen sei, sondern empfinde es eher so, dass sich Kuba seine eigene kleine Welt mit eigener Zeit geschaffen hat. Es gibt die alten Straßenkreuzer, die wir alle erwarten, manche Äcker werden noch mithilfe von Ochsen gepflügt, doch 2 Kilometer weiter spielt ein Schüler auf seinem Smartphone, repariert ein Techniker ein Ipad und die Jungs und Mädchen im staatlichen Internet-Café tragen die neueste Mode und kleiden sich offen in den Farben des Klassenfeindes ohne dass jemand Anstoß daran nimmt. Kuba ist einfach ein Land der Gegensätze, das durch seine Menschen so liebenswert wird. Ich komme bestimmt mal wieder! Es ist ja nicht aller Tage Abend:

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Lonely Planet auf Kuba

Ihr habt Euch auch den neuen Lonely Planet über Kuba geholt und habt ihr verschlungen? Schön, dann könnt ihr ihn gleich wieder wegschmeißen! Das einzige, was sich als halbwegs nützlich erwiesen hat, war der Busfahrplan der Viazul-Busse, der Rest ist entweder unnötig oder einfach falsch. Okay, das war zu hart, aber gebraucht hab ich den LP nie.

Ich habe in 2 Casas, die im LP ausdrücklich empfohlen wurden und es waren die beiden schlechtesten Übernachtungen, die ich hatte. Es war nicht dreckig oder so, keinesfalls, es war einfach nur eine Massenabfertigung, die man spürte, da kann ich auch ins Hotel gehen.

 

Es ist kein Problem eine Casa Particulare zu finden, alle sind verpflichtet das blaue Anker-Zeichen an der Tür an zu bringen. Und alle Casas sind sehr seDSC00194hr sauber! Ich habe auf Kuba keine einzige Kakerlake angetroffen, es ist fast klinisch rein. Und hat man einmal eine gute Casa gefunden, ist es ein leichtes sich entlang der Empfehlungen der Gastgeber durchs gesamte Land zu hangeln, von Empfehlung zu Empfehlung. Und damit der Anfang leichter fällt empfehle ich gleich mal eine Casa für Havanna (Dank an Isabell, die sie mir gezeigt hat):

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„La Casa Colonial“
Senora Juana Cedeno y Senora Yahima Reyes
Calle Lealtad 262 (Erdgeschoss) zwischen Neptuno und Concordia
E-Mail: yahima.reyes@nauta.cu

Hier bekommt ihr frisch gepressten Saft zum Frühstück und die Gastgeber geben sich wirklich Mühe! Man erzählt im Nebensatz, dass man gerne Mango isst und findet sie am nächsten Tag in Unmengen auf dem Frühstückstisch 🙂

Und auch für Camagüey kann ich besten Gewissens folgende Casa empfehlen:

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Wenn der Lonely Planet dann bei Baracoa einen tollen Strand empfiehlt, diesen auch noch auf den ersten Seiten des Buches als eines der Highlights aufzählt und man dann am Strand auf einen zugemüllten Platz mit mehr Jineteros als Badenden trifft, dann hat man auch genug davon.

Kommen wir zum Essen im LP: Restaurants, die nicht (mehr) existieren, falsche Adressen und fragwürdige Empfehlungen. Da wird eine Pizza-Kette hervorgehoben, weil es dort für kubanische Verhältnisse ordentliche Pizza gibt? Sorry, aber kubanische Pizzen sind größtenteils richtig fies!

Hier gibt es richtig gute Pizza, mitten in Havanna, in einer malerischen kleinen Gasse, die nicht von Autos befahren wird, 5 Minuten vom Malecon entfernt (ich empfehle die Pizza mit Serrano-Schinken):

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Havanna 2

Zum Schluss gibt’s nochmal einen Tag in Havanna

Also nochmal in die Altstadt zu den Jineteros, mittlerweile bin ich aber so abgestumpft, dass sie sehr schnell aufgeben. Von dort aus mit der Fähre nach Casablanca, wo ja eigentlich auch der Hershey Zug ankommen sollte…
Statt mit dem Zug geht es aber diesmal hinauf zum Fortaleza, das über Havanna thront und die Stadt zu Kolonialzeiten schützen sollte. Ein herrlicher Ausblick über ganz Havanna, nur zu empfahlen.

Da das Geld langsam knapp wird und auch die Zeit verrinnt verbringe ich den restlichen Tag mit Organisatorischem, meinen Rucksack fürs Flugzeug packen, Zigarettenpreise vergleichen, mich von ein paar Leuten verabschieden…

Am letzten Tag hab ich noch dieses kleine Panoramafoto von Habana Vieja machen können (leider ist die Auflösung nicht ganz so gut):

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Auf nach Venezuela!

Varadero

Nach fast 3 Wochen, viel zu wenig Zeit für diese riesige Insel, hab ich es getan, ich habe mir Last Minute ein Schnäppchen für eine Nacht in Varadero gebucht. 5-Sterne all-inkl. Selbst der Alkohol ist umsonst für schlappe 40 Euro. Und bei der Ankunft am Hotel die Feststellung, dass es überbucht ist. Upgrade auf eine Junior-Deluxe-Suite.

Im völlig abgeschotteten Hotel selbst geht es nur um faulenzen, am Pool liegen und essen, essen, essen noch mehr essen. So richtig genießen kann ich das eigentlich nicht, bin ich doch vorher quer durchs Land getingelt und habe gesehen, wie das Leben außerhalb der Touristenenklave aussieht.
Und dann wollte ich ja eigentlich noch den Wäsche-Service des Hotels nutzen, doch 2,50 EUR pro Wäschestück schrecken mich dann doch sehr ab. Somit war wieder Handwäsche angesagt und wenn jemand die Straße zum 5-Sterne Resort in Richtung pompöser Empfangshalle entlang kam, sah er als erstes meine nasse Wäsche im Wind flattern J

Nach diesem Aufenthalt habe ich endgültig genug von Varadero und es geht zurück nach Havanna, schließlich muss ich ja noch das Auto abgeben und einen Flug nach Caracas kriegen.

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Santa Clara

Eigentlich wollte ich ja nur bis Ciego de Avila fahren, doch auf dem Weg traf ich Marta, eine Studentin aus Santa Clara, die mir anbot, dort doch bei ihr im Wohnheim zu übernachten. Also brausten wir noch ein paar Kilometer weiter und schon landete ich in der Stadt Che Guevaras, wo ich ja eh am nächsten Tag hin wollte.
Dieser nächste Tag begann damit, dass mir Marta erklärte, dass es wohl aufgefallen war, dass ich im Wohnheim übernachtet habe und ich suchte mir für die kommende Nacht erstmal eine andere Unterkunft. Laut Reiseführer war das günstigste ein Hotel, das dazu auch noch direkt am zentralen Platz Santa Claras lag.

Die Stadt selbst wirkt auch viel städtischer als der Rest Kubas (ausgenommen Santiago und Havanna), so dass man sich einige Zeit nehmen kann um den Ort zu erkunden.
Als erstes besichtigte ich die Stätte der finalen Schlacht zwischen den Revolutionären und dem Batista Regime. Hier ließ Che mit einer Handvoll Rebellen und einem Bulldozer einen schwer gepanzerten Zug mit einer vielfachen Überzahl an Soldaten entgleisen und entschied die Schlacht für sich.
DSC00206Etwas weiter liegt eine Anhöhe von der man die gesamte Stadt überblicken kann. Dort traf ich einen Arbeiter einer Zigarrenfabrik, der mir Freikarten für die Besichtigung anbot, doch irgendwie hatte ich nicht schon wieder Lust auf Zigarren.
Also wieder runter vom Hügel und ab zur Plaza de la Revolucion, wo auch das Mausoleum des in Bolivien ermordeten Che Guevaras ist.
Mittlerweile brannte die Mittagshitze allerdings erbarmungslos senkrecht vom Himmel, so dass der Weg zur Qual wurde. Gottseidank machten es die gelockerten Gesetze und die Emsigkeit der Kubaner möglich, dass man sich an jeder Ecke mit frischem Eis (15 Cent), Säften (15 Cent) und Limonade (40 Cent) erfrischen kann. Und mein Feuerzeug kann ich auch gleich auffüllen lassen (wieder 15 Cent).

DSC00215Die Plaza de la Revolucion ist natürlich in gigantischen Ausmaßen gehalten und, damit es umso monumentaler wirkt, gibt es wenig Schatten spendende Bäume um eine freie Sicht zu gewährleisten.
Doch im Inneren des Museums und des Mausoleums erlebe ich eine kleine Überraschung. Es ist klein und sehr schlicht gehalten und wirkt wirklich passend. Das Museum enthält Originale und Repliken von Gegenständen die Che und seine Mitstreiter während der Zeit vor, während und nach der Revolution auf Kuba und während des Guerillakrieges in Bolivien bei sich trugen.
Das Mausoleum ist noch schlichter und Ches Gedenkplatte setzt sich nur wenig von denen seiner Mitstreiter ab, so dass ich ihn fast übersehen hätte. Dazu brennt eine kleine Flamme und dahinter befinden sich in einer Art künstlicher Höhle tropische Pflanzen. Es wird keine riesige Show inszeniert und auch der Eintritt ist frei. Sogar die Gepäckaufbewahrung (Rucksäcke, Handys und Kameras sind nicht erwünscht) ist gratis. Der Ort hat mir richtig gut gefallen. Leider gibt’s aus dem Inneren aus den oben genannten Gründen keine Fotos, nur von der pompösen Plaza de la Revolucion.

Auto mieten und fahren auf Kuba

Hier kommt endlich der versprochene Artikel übers Autofahren auf Kuba…
Grüße an mojo 🙂DSC00113

Nach 14 Tagen und über 3000 km Strecke mit dem Auto erlaube ich mir ein Urteil: Das Autofahren auf Kuba ist beschwerlich, aber es macht Spaß.

Als allererstes gilt: Auch wenn es Spontanität nimmt, lohnt es sich vorher zuhause einen Plan zu schmieden und zu buchen. Vor Ort wird es stressig und teuer. Vor Ort über das Internet zu buchen ist sinnlos, es geht nämlich nicht . Schade!

Beim dritten Büro (sie sind nicht miteinander vernetzt und telefonische Anfragen funktionieren anscheinend auch nicht) der staatlichen Autovermietung „Cubacar“ haben wir endlich ein halbwegs bezahlbares und vernünftiges Auto bekommen. Ein chinesischer Hersteller, ich hab noch nie etwas von der Marke gehört, aber es fährt!
Ab jetzt gilt: doppelt und dreifach aufpassen! Auto kontrollieren, Lichter kontrollieren und unbedingt mit Reserverad unterwegs sein (das auch vor Fahrtantritt unbedingt auf Schäden prüfen, hab ich leider versäumt)!

Die Versicherung schließt alles mit ein, bis auf die Räder, vielleicht gibt es auch eine Versicherung mit Rädern, aber das nutzt einem auch nichts mehr, wenn man mit zwei(!) platten Reifen und einem mit drei(!) Nägeln versehenen Reserverad mitten im Nirgendwo ohne Handyempfang fest sitzt, das ist uns nämlich passiert. Das gute ist: Es wird immer Hilfe angeboten, das schlechte daran: manchmal lauert auch Abzocke dahinter.

Generell gibt es auf Kuba 4 Kategorien von Straßen:

  1. Gute Straßen (sehr wenige)
  2. Mäßige Straßen (sehr viele)
  3. Schlechte Straßen (viele)
  4. Kaum befahrbare Straßen (wenige)

Insgesamt sind die Kubaner sehr disziplinierte Autofahrer, an roten Ampeln wird gehalten, auf Fahrradfahrer wird geachtet, rechts vor links und andere Vorfahrtsregelungen werden weitestgehend eingehalten. Wenn ein Blinker vorhanden ist, wird sogar geblinkt! Andere halten die Hand beim Abbiegen nach links aus dem Fenster.

Die Autopista:DSC00042

Autopista bedeutet im spanischen ja eigentlich Autobahn, mit einer europäischen Schnellstraße ist diese Art Straße aber nicht zu vergleichen. Auf der kubanischen Autopista befinden sich Menschen, Hunde, Fahrräder und Pferdegespanne (siehe Bild). Die Qualität hängt von der Gegend ab, sie schwankt aber eher zwischen den Kategorien mäßig bis schlecht, mit positiven Überraschungen!
Wo es positive Überraschungen gibt, da lauern aber natürlich auch negative: Das Wenden auf der Autobahn ist problemlos möglich und wird häufig praktiziert. Es gibt sogar eigens eingerichtete Wendestellen, damit die staatlichen Touristenbusse (die besten im Land) auch die Rasthöfe, die nur an einer Seite der Strecke liegen, problemlos anfahren können.
Doch auch in Kuba geht es voran: überall wird gebaut, so auch auf den Autopistas, es gibt also auch frisch geteerte Abschnitte. Allerdings kann es auch passieren, dass unangekündigt Verkehr entgegen kommt, da die gegenüberliegende Gegenrichtung gerade saniert wird (das merkt man dann schon, wenn auf einer sehr breiten Straße ohne Markierung plötzlich auf zwei Spuren Autos mit hoher Geschwindigkeit entgegen kommen),

Generell kann man zum Autofahren auf Kuba sagen: egal wo man fährt, es hat einen gewissen Abenteuercharakter und macht richtig Spaß! Allerdings sollte man stets achtsam fahren, denn manchmal muss man das Steuer verreißen, um dem 50 cm tiefen Schlagloch zu entgehen, und genauso könnte es der Vordermann oder der Gegenverkehr machen. Also nicht von der schönen Landschaft oder vom Beifahrer ablenken lassen. Und wer meint, nur weil er auf Kuba sei, die Sicherheitsgurte nicht benutzen zu müssen, weil das die Kubaner ja auch so handhaben, der ist meiner Meinung nach selber schuld.

Nachts sollte man gar nicht fahren, denn nicht jeder Fahrer verfügt über ein oder gar zwei intakte Rück- oder Bremslichter, Pferdekutschen und Radfahrer schon gar nicht!

Ein richtiges Ärgernis sind gefährliche Gegenstände auf der Fahrbahn. Vor allem Nägel von den Hufen der Pferde sind reinstes Gift für einen Autoreifen.

Tanken… Tanken ist so eine Sache auf Kuba, habe ich festgestellt. Im Internet habe ich gelesen, man solle tanken, wo man nur kann, denn sehr schnell gäbe es nichts mehr. Die freundliche Dame in der Autovermietung sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, es wäre immer und überall genug Benzin vorhanden. Nun, die Wahrheit, zumindest das, was ich erlebt habe, liegt irgendwo in der Mitte. Man sollte es nicht bis auf den letzten Tropfen ausreizen und lieber 1-2 Tankstellen, bevor es nötig wird, tanken, denn es können auch mal zwei Tankstellen hintereinander geschlossen sein oder an der Tankstelle gibt es gerade nicht das nötige Benzin. Denn die Mietwagen brauchen Gasolina Especial, das hat um die 90 Oktan, das normale Benzin hat 80. Dann wird einem eine Mischung hergestellt, aus Especial und Dreck. Dabei kommt es dann aufs Verhandlungsgeschick an, um den Anteil vom guten Stoff möglichst zu erhöhen . Eine räumliche Verteilung der Benzinknappheit konnte ich übrigens nicht feststellen. Während es an der zentralen Autopista kaum noch Especial gab, waren im abgeschiedenen Baracoa die Zapfsäulen prall gefüllt.

Weiterhin will ich zur Navigation eine App empfehlen, nämlich OSMAnd(+), eine Offline Karten- und Navigationsapp, die auf dem Kartenmaterial von OpenStreetmaps basiert, das Kartenmaterial ist wirklich aktuell (alle 2 Wochen können Aktualisierungen heruntergeladen werden). Die freie Version ist kostenlos, aber wer mehrere hundert Euro für einen Mietwagen ausgibt, kann auch die Plus Version für 3,50 Euro kaufen. Das Kartenmaterial ist sehr gut, aber manche normale Straßen können sich als sehr schlechte Pisten entpuppen, also auch auf die Beschilderung achten!

Aber bitte lasst Euch von all dem nicht entmutigen, das Autofahren auf Kuba macht nämlich wirklich Spaß und bietet einem die Freiheit, auch mal spontan an den Strand zu fahren, wo der Viazul-Bus eben nicht hält. So bestimmt Ihr Eure Richtung und Euer Tempo, so sollte es im Urlaub doch auch sein oder?!
Außerdem gibt es so viele Menschen auf Kuba, die per Anhalter reisen, dass es eine klasse Möglichkeit ist, um Leute kennenzulernen. Teilweise stellen sich die Menschen mit Geldscheinen (Modena National) an die Straße um mitgenommen zu werden. Wer dann darauf verzichtet wird umso üppiger mit Herzlichkeit und, wie in meinem Fall, auch mit frischem Obst überhäuft.

Gute Fahrt!

Baracoa und der Rückweg

Baracoa, die Stadt weit im Oriente, an der Ostspitze Kubas. 1000 Kilometer sind es bis nach Havanna.DSC00198

Erst seit der Revolution ist die Stadt überhaupt an das Straßennetz der Insel angeschlossen. Die Hauptstraße führt über 30 km Serpentinen, ist aber dafür in erstaunlich gutem Zustand. Gelobt werden die Strände und die Küche. Das Lob für die Küche kann ich vollkommen bestätigen, das für die Strände nicht. Laut Lonely Planet ist in 20 km Entfernung eines der Highlights von Kubas Stränden. Ich habe mich auf dem Weg über die Schotterpiste und den kärglich Rest an Asphaltdecke, der hier und dort zwischen dem Sand hervorschaut gemacht und erlebte eine einzige Enttäuschung. Wer diese Strecke mit dem Fahrrad zurücklegt, schmeißt seinen Lonely Planet sofort weg, ich bin auch schon kurz davor J

Baracoa selbst ist eher überschaubar, durch seine exponierte Lage am Ostrand der Insel weht allerdings ein sehr angenehmer Wind, der die Temperaturen, im Gegensatz zu Santiago de Cuba, erträglich macht. Hier kann ich erst einmal verschnaufen.

2 Tage später geht es über Guantanamo und Holguin nach Gibara, einem kleinen Nest in Kubas Norden. Auf dem Weg erhasche ich kurz hinter einem Militärcheckpoint auch einen kleinen Blick auf das Berüchtigte Guantanamo Bay, also den Stützpunkt der Amerikaner. Auch das US-Radio der Base ist zu empfangen. AFN und Radio Gitmo (Spitzname der Amis für ihre Basis), mit noch mehr Propaganda, diesmal von der Gegenseite. Da fahre ich lieber weiter.

Gibara ist malerisch gelegen, an Kubas wunderschöner Nordküste. Der kleine Ort liegt direkt am Meer und hat ein klein wenig touristische Infrastruktur. Gleich beim ersten Versuch eine Casa, die noch ein freies Zimmer hat. Da schlage ich direkt zu. Mal sehen, wie hier die Strände aussehen. Koloniale Städte habe ich ja mit Habana Vieja, Cienfuegos, Trinidad und Santiago nun genug besichtigt.

Und das schöne beim Autofahren ist, dass man immer wieder Anhalter trifft, die man mitnehmen kann, so treffe ich auch Yusmila, mit der ich den Rest des Tages verbringe.

Santiago de Cuba

Santiago de Cuba, die ehemalige Hauptstadt erreiche ich gegen 15:30.Am Ortseingang steht eine der großen Propagandatafeln, wie es sie überall gibt. Zu Santiago, der Stadt der Helden und frührerer Aufstände heißt es dort: „Einst rebellisch, heute gastfreundlich, immer heldenhaft!“ – eine Beschreibung oder einer Aufforderung? DSC00187Die Stadt liegt am Meer, umrahmt von der Sierra Maestra, dem höchsten Gebirge Kubas. Die Stadt ist quirlig, laut und schön. Nur unglaublich heiß. Am nächsten Tag entscheide ich mich für einen Stadtbummel am Vormittag und erlebe die Hitze am eigenen Leib. Bereits um 11 Uhr morgens zeigt das Thermometer 38° Grad im Schatten, und von diesem gibt es verdammt wenig. Dennoch lassen es sich die Bewohner nicht nehmen, am Wochenende dem Sport nachzugehen. Am Hafen üben die einen eine Art Stockkampf und die anderen bauen menschliche Türme. Auf dem etwas höhere gelegenen Platz vor der Kathedrale übt eine Rumba-DSC00190Gruppe und nutzt die anwesenden Touristen zum Verkauf ihrer CDs. Überhaupt scheint heute besonders viel los zu sein, denn ein ganzer Straßenzug wurde zur Fußgängerzone erklärt, Zelte wurden aufgebaut und sogar die Feuerwehr ist mit ihren brandneuen Fahrzeugen vor Ort. Wie halten es die Menschen nur in dieser Bruthitze aus und bewegen sich dabei auch noch so eifrig?

Camagüey

Bei meiner Ankunft in Camagüey empfingen mich bereits am Ortseingang ein paar Jungs im Alter von 25-30 Jahren auf Fahrrädern, die mir folgten. Im dichten Stadtverkehr ist es den Radlern ein leichtes mit den ständig wartenden Autos 20140509_094857mitzuhalten. Die Jungs waren, wie sollte es anders sein, Jineteros, die mich zu bestimmten Casas lotsen wollten. Doch anders als ihre Kollegen in anderen Städten ließen diese hier auch nach einem bestimmten „No, Gracias!“ nicht locker und wurden immer penetranter. Zum Glück wurde ich bereits vorgewarnt und tischte den Jungs eine Story auf. Leider half auch das nichts, so dass ich erst nach einem 20-minütigen Katz-und-Maus-Spiel durch die Innenstadt meine Ruhe hatte.
Die Casa, die mir empfohlen wurde entpuppte sich als eine der besten, die ich auf Kuba besuchen durfte. Die 11-jährige Enkelin der Besitzerin öffnete mir die Tür und bat mich herein, bis Ihre Großmutter da sei. Insgesamt war der Empfang äußerst herzlich, so lernte ich die gesamte Familie bis hin zum 90-jährigen Vater kennen und durfte mich richtig zuhause fühlen. Abends gab es dann noch ein vorzügliches Abendbrot, nachdem ich erschöpft einschlief.

Außer dieser vorzüglichen Casa hatte Camagüey für mich allerdings wenig zu bieten, ja eine Kirche, zwei schöne Plätze und eine 200m lange Fußgängerzone, die man auch schöner hätte gestalten können, das war‘s dann aber auch. Oder ich habe etwas verpasst. Aber für mich war Camagüey eh nur ein nötiger Stopp in Richtung Oriente. Gegen Mittag des nächsten Tages geht es weiter nach Santiago de Cuba im Südwesten der Insel.