Extreme Armut und linke Regierungen

Ich bin ja nun schon seit 4 Monaten unterwegs und habe sowohl sozialistische als auch kapitalistische Länder in Südamerika bereist und mich ein wenig umgeschaut, habe mit vielen Menschen gesprochen und Eindrücke gewonnen. Ich bin nun wirklich kein Experte auf diesem Gebiet, doch die Beobachtungen, die ich gemacht habe, sind doch offensichtlich: In Ländern, wie Kuba, Venezuela oder Bolivien habe ich fast keine Menschen auf der Straße schlafen oder leben sehen, im Andenstaat hat selbst das kleinste Dorf eine Krankenstation beziehungsweise ein kleines Hospital. Das Bildungswesen auf Kuba ist vorbildlich, die Analphabetenquote in allen ländern ist stark rückläufig. Lebensmittel und Baumaterial werden subventioniert.
Und wie sieht es in den kapitalistischen Vorzeigeländern aus? Wenn man in Brasilien, das sich dem globalen Wettbewerb komplett geöffnet hat, mal morgens durch die Straaßen geht, sieht man die Menschen dort aufwachen, eingehült in Pappe und Stofffetzen. Drogensüchtige liegen ebenfalls in den Straßen und die sozialen Unterschiede im Land sind enorm. In Argentinien, das dabei ist von Hedgefonds in die Knie gezwungen zu werden, ist es nicht ganz so schlimm, aber auch dort sieht man den Verfall der öffentlichen Infrastruktur und die Armut einiger Menschen im Straßenbild.

Nun Venezuela ist wirklich am Ende, dort sieht man, dass der Staat teilweise wirklich schwach ist, und es sehr viele Nöte im Land gibt. Doch auf Kuba und in Bolivien, werden die Investitionen des Staates in die Daseinsfürsorge im Land deutlich sichtbar. Verbesserungen, die die Menschen auch zu spüren bekommen, wie Erneruerung des Straßennetzes, Ausbau der Wasserversorgung, Neugestaltung der öffentlichen Plätze.

Bleibt ein großes Manko: Die Unfreiheit der Menschen. Bolivien ist nun eine Demokratie, wenn vielleicht auch mit Defiziten, Kuba generell nicht. Bei Venezuela weiß man es nicht. Die Eindrücke meiner bisherigen Reise lassen mich jedoch stark daran zweifeln, ob die von Weltbank, Währungsfonds und vielen kapitalistischen Ländern propagierte Art und Weise der Öffnung für die internationalen Märkte der richtige Weg für die Menschen armer Länder und Regionen ist. Freiheit und soziale Gerechtigkeit, wie immer eine Utopie.

Erstmals in den Bergen

Salta liegt auf ca. 1200m über dem Meeresspiegel, hat also weniger als ein Drittel der Höhe von La Paz, wohin es ja auch noch geht. Dennoch sind die Landschaft mit den umliegenden Bergen und Vegetation beeindruckend. Es ist deutlich trockener als in den tiefer gelegenen Regionen, doch nicht wirklich karg. Überall gibt es Bäume, Sträucher und Palmen. Dazu die wunderschöne, unter UNESCO-Schutz stehende, Altstadt Saltas, der Ort ist also wirklich einen Besuch wert!
Die Altstadt mit den kolonialzeitlichen Häusern und Kirchen wundern sehr schön restauriert und die vorhandene Infrastruktur macht den Auffenhalt sehr angenehm.Die Odyssee nach Saltaa hatte ja auch etwas gutes, da durch, dass ich mittaags ankam und heute Nacht erst abreise, habe ich praktisch 4 volle Tage in der Stadt, bei 2 Übernachtungen.
Und nachher, also um 0:30 Ortszeit geht es dann in den Nachtbus zur Grenze, wo ich Argentinien dann endgültig in Richtung Bolivien verlassen werde. Die Gegend um Salta macht wirklich Lust auf ein weiteres Erkunden der Andenregion. Nächste Station ist Tupiza, auf fast 3000m Höhe!

Odyssee nach Salta

Puuuuh, das war anstrengend, nach Salta zu kommen. Natürlich mit dem Bus. Also beginnt das Spiel, wie jedes mal: Strecke raussuchen und Tickets kaufen, doch da es keine Direktverbindung zwischen Asunción und Salta gibt, muss ich den Umweg über Resistencia machen. Und da ich ein wenig sparen will, kaufe ich die Tickets in Argentinien nicht online, sondern bar, mit dem Geld zum Schwwarzmarktkurs. Also heißt es hoffen, dass die Tickets für den bequemen Bus mit Liegesitzen nicht vergriffen sind, wenn ich in Resistencia ankomme, denn in Asunción hat die Busfirma keine Niederlassung.
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Tja und dann passierte, was passieren musste. Natürlich gab es keine Tickets mehr und auch keinen weiteren Bus nach Salta. Dafür aber einen nach Tucumán, weiter nördlich und einen weiteren von dort nach Salta. Da alles besser schien, als die nach in Resistencia zu verbringen, entschied ich mich für diesen Weg und da ich im Bus noch einen Leidensgenossen getroffen hatte, den das gleiche Schicksal ereilte, bekamen wir zusammen noch etwas Rabatt. Somit habe ich den gleichen Preis bezahlt, wie bei einer direkten Buchung im Internet, habe dafür schlechte Plätze und mehrere hundert Kilometerumweg sowie 10 Stunden längere Fahrzeit bekommen.
Aber jetzt habe ich es geschafft! Ich bin in Salta angekommen und habe gleich mal die Bildergalerien, sowie die Daten und Fakten aktualisiert. 🙂

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Und ich habe gleich für meine Weiterfahrt in Richtung Bolivien vorgesorgt, so dass ich hoffentlich bald meine erste Zugfaahrt seit fast 4 Monaten beginnen kann 🙂

Fleisch, Fleisch, Fleisch

Egal, ob Argentinien, Uruguay oder Paraguay überall liegt der Geruch von Holz oder Holzkohle in der Luft. Überall stehen die Grills an den Straßen und wehen Rauchschwaden aus den Schornsteinen. Und überall gibt es natürlich Fleisch. Geggrillte Wurst, Steaks, Milanesas oder mit Fleisch gefüllte Empanadas, ich habe glaube ich noch nie so viel Fleisch gegessen wie hier. Es kostet nicht viel, ist von guter Qualität und hervorragend zubereitet. Für Vegetarier ist Südamerika wirklich nicht das Wahre, man findet zwar das ein oder andere fleischlose Gericht, doch die Auswahl ist mehr als dürftig.
Und trotz des ganzen Fleischkonsums habe ich es irgendwie geschafft meine Abnehmziele schon fast zu erreichen. Bikinifigur, ich komme! 🙂

Posadas und Encarnación

Posadas ist ein hübsches Städtchen mit einem schönem Stadtzentrum an der Grenze zu Paraguay. Auf der anderen Seite des Grenzflusses liegt Encarnación, die sehr ungleiche Schwesterstadt. Beide Städte sind mit einer kilometerlangen Brücke verbunden und dem Stau auf der Straße nach zu urteilen scheint der Grenzverkehr zu florieren.
Während das argentinische Posadas schon seit Jahren ein etablierter Touristenort ist, stelle ich bei meinem Auslug nach Encarnación fest, dass dort gerade die Aufbruchsstimmung begonnen hat. Überfall wird gebaut und gebastelt, alle Straßen werden aufgerissen und neue Häuser entstehen an jeder Ecke.
Zum Glück gibt es außer der Brücke noch ein kleines Boot um den Fluss zu überqueren, so erspare ich mir stundenlanges warten im Stau und habe die Grenze in wenigen Minuten hinter mir gelassen.
Ich nutze die Zeit in Enarnacion gleich um Tickets für die Fahrt nach Asunción, die Hauptstadt Paraguays, zu kaufen. Morgen um die Mittagszeit geht’s los!

 

Die Website ist jetzt auch komplett auf dem neuesten Stand. 🙂

Mit dem Bus durch Nordargentinien

Das schöne am Reisen mit dem Bus ist ja, dass man etwas von der Landschaft sieht und sich gleichzeitig mit den Menschen vor Ort unterhalten kann. Der Nachteil sind eindeutig die langen Fahrzeiten, wenn es gilt, die riesigen Distanzen Südamerikas zu überwinden. So waren für die gut 1000 km von Cordoba nach Posadas laut Busunternehmen dann auch mal 16 Stunden eingeplant.
Vom trockenen Cordoba geht es in den tropischen Südosten des Landes und man merkt allmälig, wie sich die Landschaft verändert. Und dann tauchen sie auf, die Rinderfarmen, für die Argentinien so berühmt ist. Entlang der schnurgeraden Straße reihen sich Weiden, Felder mit Futterpflanzen, Silos, Windräder und Farmen aneinander….
Kein Wunder, ist es hier doch normal, schon morgens um 10 Uhr ein Steak oder Milanesa serviert zu bekommen. Für die Vegetarier gibt es ja immer noch Huhn.

Zu wenig Zeit in Cordoba

Der Ticketkauf für die Strecke nach Posadas schon in Roasario war definitiv ein Fehler. Zu meiner Rechtfertigung: Es gab nur noch 2 Tickets und ich wollte für die lange Fahrt unbedingt einen vollausklappbaren Sitz haben um wenigstens ein bischen schlafen zu können.
Schon als ich in Cordoba ausstieg, es war morgens um sieben Uhr, gefiel mir die Stadt irgendwie. Es war ein subjektives Gefühl, dass sich später einfach bestätigte. Trotz der mehr als einer Million Einwohner geht es in Cordoba sehr ruhig zu und die kolonialen Bauten, die geschäftige Fußgängerzone, sowie die Menschen machen Cordoba zu einem schönen Fleckchen, an dem ich gerne länger geblieben wäre. Aber nun heißt es die Zeit zu nutzen un die Stadt zu erkunden.
Cordoba ist die erste Stadt, in der sich der indigene Einfluss verstärkt bemerkbar macht, sowohl in der Kultur, in der Musik, im gesamten Straßenbild. Das macht mich noch mehr neugierig auf Salta, wo eben dieser Einfluss noch größer sein soll.

 

P.S. neue  Bilder für Argentinien und Uruguay 🙂

Rosario in 20 Stunden

Der Weg ist noch weit, die Zeit drängt, jetzt werde ich wohl ein wenig übermütig. Per Nachtbus geht es von Montevideo ins argentinische Kernland nach Rosario, der Heimatstadt von Che Guevara und, mitlerweile wohl mehr Leuten bekannt als der berühmteste Revolutionär der Welt, Lionel Messi. Als ich morgens um 03:30 am Busbahnhof ankomme, entschließe ich mich gleich, ein Ticket nach Cordoba um 24:00 zu kaufen. Also habe ich 20 Stunden Zeit um die Stadt zu erkunden. Nach drei Tassen Kaffee habe ich auch die Energie, mich zu Fuß auf den Weg zu machen.
Zum Glück ist Rosario relativ klein, und außerdem dem Geburtshaus Ches, einem großen Monument, sowie einer kleinen Füßgängerzone mit ein paar kolonialen bauten gibt es in diesem kleinen Städtchen nicht wirklich viel zu sehen. Gechafft! Der Tagesausflug nach Rosario wurde trotz Schlafmangels gut überstanden. Also kaufe ich gleich ein Ticket für die Strecke Cordoba – Posadas, denn ich will ja noch viel von Argentinien sehen, will aber am 1. September shon in La Paz sein.

Auf nach Argentinien! Buenos Aires!

Am Flughafen in Buenos Aires habe ich als erstes (Dank gratis WiFi) erfahren, dass Buenos AiresArgentinien praktisch bankrott ist. Die Schulden bei gewissen Hedge-Fonds wurden nicht beglichen. Und schon kamen bei mir Fragen auf: was ist im Land los? Fahren Busse? Kriege ich Geld? Kann ich Geld tauschen?
Und als ich den Flughafen verlassen hatte und das erste Mal die Luft der argentinischen Hauptstadt schnupperte relativierten sich meine Bedenken sehr schnell. Alles läuft und die Menschen gehen ihren gewohnten Tätigkeiten nach. Nur die Kurse auf dem Schwarzmarkt für Geldwechsel haben sich ein wenig verändert. Ansonsten scheint alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Ein wenig Bedenken hatte ich ja auch wegen des Schwarzmarktes, doch im Gegensatz zu Venezuela, wo die Unterschiede zwischen staatlich reguliertem und tatsächlichem Kurs ja auch um einiges größer sind, wird das Geldwechseln auf der Straße von der Polizei geduldet beziehungsweise ignoriert. Dafür gibt es andere Wege mit den hiesigen Gesetzen in Konflikt zu geraten…

Buenos AIres selbst strotzt nicht gerade vor typischen Sehenswürdigkeiten. Der Obelisk, die breiteste Avenida der Welt und der Governeurspalast, das war es dann auch schon fast. Und dennoch wirkt die Stadt mit ihrem europäischen Stil irgendwie anziehend oder vielleicht auch gerade deshalb. Statt sich mit Sightseeing zu beschäftigen kann man es ganz entspannt angehen lassen, sich durch die Viertel, die teilweise an Paris, teilweise an Kreuzberg vor 15 Jahren, teilweise an Neukölln erinnern, treiben lassen und hier und dort einen (guten!) Kaffee trinken, etwas Essen und abends ins pulsierende Nachtleben eintauchen. Und dieses Nachtleben besteht eben nicht nur aus Tango, vielmehr sind alle Musikrichtungen von Elektro bis Punk verteten 😉

Die Website hat auch ein kleines Update erfahren: Neue Bildergalerien, die Route wurde aktualisiert und die Daten und Fakten Seite auf den Stand der Abreise in Rio gebracht.
Danke für die netten Mails bezüglich der Postkarten, ich versuche so viel wie möglich davon zu erledigen, nicht wundern, auf einer Karte muss ich diesmal 4 Briefmarken unterbringen 🙂