Auto mieten und fahren auf Kuba

Hier kommt endlich der versprochene Artikel übers Autofahren auf Kuba…
Grüße an mojo 🙂DSC00113

Nach 14 Tagen und über 3000 km Strecke mit dem Auto erlaube ich mir ein Urteil: Das Autofahren auf Kuba ist beschwerlich, aber es macht Spaß.

Als allererstes gilt: Auch wenn es Spontanität nimmt, lohnt es sich vorher zuhause einen Plan zu schmieden und zu buchen. Vor Ort wird es stressig und teuer. Vor Ort über das Internet zu buchen ist sinnlos, es geht nämlich nicht . Schade!

Beim dritten Büro (sie sind nicht miteinander vernetzt und telefonische Anfragen funktionieren anscheinend auch nicht) der staatlichen Autovermietung „Cubacar“ haben wir endlich ein halbwegs bezahlbares und vernünftiges Auto bekommen. Ein chinesischer Hersteller, ich hab noch nie etwas von der Marke gehört, aber es fährt!
Ab jetzt gilt: doppelt und dreifach aufpassen! Auto kontrollieren, Lichter kontrollieren und unbedingt mit Reserverad unterwegs sein (das auch vor Fahrtantritt unbedingt auf Schäden prüfen, hab ich leider versäumt)!

Die Versicherung schließt alles mit ein, bis auf die Räder, vielleicht gibt es auch eine Versicherung mit Rädern, aber das nutzt einem auch nichts mehr, wenn man mit zwei(!) platten Reifen und einem mit drei(!) Nägeln versehenen Reserverad mitten im Nirgendwo ohne Handyempfang fest sitzt, das ist uns nämlich passiert. Das gute ist: Es wird immer Hilfe angeboten, das schlechte daran: manchmal lauert auch Abzocke dahinter.

Generell gibt es auf Kuba 4 Kategorien von Straßen:

  1. Gute Straßen (sehr wenige)
  2. Mäßige Straßen (sehr viele)
  3. Schlechte Straßen (viele)
  4. Kaum befahrbare Straßen (wenige)

Insgesamt sind die Kubaner sehr disziplinierte Autofahrer, an roten Ampeln wird gehalten, auf Fahrradfahrer wird geachtet, rechts vor links und andere Vorfahrtsregelungen werden weitestgehend eingehalten. Wenn ein Blinker vorhanden ist, wird sogar geblinkt! Andere halten die Hand beim Abbiegen nach links aus dem Fenster.

Die Autopista:DSC00042

Autopista bedeutet im spanischen ja eigentlich Autobahn, mit einer europäischen Schnellstraße ist diese Art Straße aber nicht zu vergleichen. Auf der kubanischen Autopista befinden sich Menschen, Hunde, Fahrräder und Pferdegespanne (siehe Bild). Die Qualität hängt von der Gegend ab, sie schwankt aber eher zwischen den Kategorien mäßig bis schlecht, mit positiven Überraschungen!
Wo es positive Überraschungen gibt, da lauern aber natürlich auch negative: Das Wenden auf der Autobahn ist problemlos möglich und wird häufig praktiziert. Es gibt sogar eigens eingerichtete Wendestellen, damit die staatlichen Touristenbusse (die besten im Land) auch die Rasthöfe, die nur an einer Seite der Strecke liegen, problemlos anfahren können.
Doch auch in Kuba geht es voran: überall wird gebaut, so auch auf den Autopistas, es gibt also auch frisch geteerte Abschnitte. Allerdings kann es auch passieren, dass unangekündigt Verkehr entgegen kommt, da die gegenüberliegende Gegenrichtung gerade saniert wird (das merkt man dann schon, wenn auf einer sehr breiten Straße ohne Markierung plötzlich auf zwei Spuren Autos mit hoher Geschwindigkeit entgegen kommen),

Generell kann man zum Autofahren auf Kuba sagen: egal wo man fährt, es hat einen gewissen Abenteuercharakter und macht richtig Spaß! Allerdings sollte man stets achtsam fahren, denn manchmal muss man das Steuer verreißen, um dem 50 cm tiefen Schlagloch zu entgehen, und genauso könnte es der Vordermann oder der Gegenverkehr machen. Also nicht von der schönen Landschaft oder vom Beifahrer ablenken lassen. Und wer meint, nur weil er auf Kuba sei, die Sicherheitsgurte nicht benutzen zu müssen, weil das die Kubaner ja auch so handhaben, der ist meiner Meinung nach selber schuld.

Nachts sollte man gar nicht fahren, denn nicht jeder Fahrer verfügt über ein oder gar zwei intakte Rück- oder Bremslichter, Pferdekutschen und Radfahrer schon gar nicht!

Ein richtiges Ärgernis sind gefährliche Gegenstände auf der Fahrbahn. Vor allem Nägel von den Hufen der Pferde sind reinstes Gift für einen Autoreifen.

Tanken… Tanken ist so eine Sache auf Kuba, habe ich festgestellt. Im Internet habe ich gelesen, man solle tanken, wo man nur kann, denn sehr schnell gäbe es nichts mehr. Die freundliche Dame in der Autovermietung sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, es wäre immer und überall genug Benzin vorhanden. Nun, die Wahrheit, zumindest das, was ich erlebt habe, liegt irgendwo in der Mitte. Man sollte es nicht bis auf den letzten Tropfen ausreizen und lieber 1-2 Tankstellen, bevor es nötig wird, tanken, denn es können auch mal zwei Tankstellen hintereinander geschlossen sein oder an der Tankstelle gibt es gerade nicht das nötige Benzin. Denn die Mietwagen brauchen Gasolina Especial, das hat um die 90 Oktan, das normale Benzin hat 80. Dann wird einem eine Mischung hergestellt, aus Especial und Dreck. Dabei kommt es dann aufs Verhandlungsgeschick an, um den Anteil vom guten Stoff möglichst zu erhöhen . Eine räumliche Verteilung der Benzinknappheit konnte ich übrigens nicht feststellen. Während es an der zentralen Autopista kaum noch Especial gab, waren im abgeschiedenen Baracoa die Zapfsäulen prall gefüllt.

Weiterhin will ich zur Navigation eine App empfehlen, nämlich OSMAnd(+), eine Offline Karten- und Navigationsapp, die auf dem Kartenmaterial von OpenStreetmaps basiert, das Kartenmaterial ist wirklich aktuell (alle 2 Wochen können Aktualisierungen heruntergeladen werden). Die freie Version ist kostenlos, aber wer mehrere hundert Euro für einen Mietwagen ausgibt, kann auch die Plus Version für 3,50 Euro kaufen. Das Kartenmaterial ist sehr gut, aber manche normale Straßen können sich als sehr schlechte Pisten entpuppen, also auch auf die Beschilderung achten!

Aber bitte lasst Euch von all dem nicht entmutigen, das Autofahren auf Kuba macht nämlich wirklich Spaß und bietet einem die Freiheit, auch mal spontan an den Strand zu fahren, wo der Viazul-Bus eben nicht hält. So bestimmt Ihr Eure Richtung und Euer Tempo, so sollte es im Urlaub doch auch sein oder?!
Außerdem gibt es so viele Menschen auf Kuba, die per Anhalter reisen, dass es eine klasse Möglichkeit ist, um Leute kennenzulernen. Teilweise stellen sich die Menschen mit Geldscheinen (Modena National) an die Straße um mitgenommen zu werden. Wer dann darauf verzichtet wird umso üppiger mit Herzlichkeit und, wie in meinem Fall, auch mit frischem Obst überhäuft.

Gute Fahrt!

Ein Gedanke zu „Auto mieten und fahren auf Kuba

  1. Ich glaube, Kuba ist nichts für mich.
    Ich fahre am liebsten nach Texas. Auch in diesem Jahr. Da macht Autofahren spass. Auf manchen US- Autobahnen kann man übrigens auch wenden – finde ich positiv! !

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