Lange Unterbrechungen

Nach fast 2 Jahren der Reise, unzähligen Kilometern und noch viel mehr Eindrücken und Erfahrungen gibt es jetzt erstmal eine etwas längere Pause mit dem Reisen. Ein großer spektakulärer Kontinent wartet noch. Hoffentlich nicht allzu lange, bis ich zumindest Teile davon zu sehen bekomme.

Ausruhen in Kovalam

Nach knapp einem Monat in Indien und einer Reise kreuz und quer durch den Subkontinent, ist nun endlich die Zeit gekommen etwas zu rasten und auch mal die Beine hochzulegen. Als Ort dafür habe ich mir Kovalam ausgesucht. Es ist nur eine Tagesreise von den Backwaters entfernt, liegt direkt am Meer mit mehreren Stränden und ist zwar in der Nähe eines Flughafens, aber doch nicht komplett zentral gelegen. Das heißt ich habe etwas Ruhe, komme hier aber auch schnell wieder weg :).

Am Tag nach meiner Ankunft habe ich mir dann auch gleich mal ein Motorrad ausgeliehen, denn nur am Strand liegen kann ich ja auch nicht. Und siehe da, es hat sich doch gleich gelohnt. Gleich in der Nähe gibt es einen schönen Leuchtturm, der sogar noch in Benutzung ist. Generell ist die Landschaft sehr schön und die Gegend eine der saubersten, die ich bisher in Indien gesehen habe. Gekrönt wird das Ganze dann noch von einem wirklich sagenhaften Sonnenuntergang, wie ich ihn selten erlebt habe.

Mit dem Boot durch die Backwaters

Per Bahn und Bus aus Bengaluru kommend, erreichte ich am 13.10.2015 Alapuzzha, das alle eigentlich immer noch Alleppey nennen. Es ist ein idealer Ausgangsort für eine Tour durch die Backwaters. Statt eines der vielen Touristen-Boote zu nehmen, entschied ich mich für eine Fahrt mit der Fähre, die auch von der lokalen Bevölkerung genutzt wird.

Die Backwaters in Kerla bilden mit ihren weit verzweigten Seen, Flüssen und Kanälen eine einzigartige Kulturlandschaft im Süden Indiens. Von der einstigen Mangroven Landschaft ist nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen wird hier intensiv Landwirtschaft betrieben. So konnte ich auf meiner Fahrt Reisfelder, Kokosplantagen und Fischzuchten bestaunen. Dabei liegen die landwirtschaftlichen Nutzflächen offensichtlich unterhalb des Wasserspiegels und sind vollständig eingedeicht. Dabei müssen die viereckigen Flächen stets entwässert werden. Auf den schmalen Deichen befinden sich die Siedlungsgebiete der Menschen. So machte unsere Fähre auch unzählige Stopps, um auch wirklich jede kleine Ansammlung von Häusern zu erreichen.

Eigentlich ist es ein wunderschönes Erlebnis so durch die Backwaters zu schippern. Leider hat der Mensch diesem Ökosystem schon sehr zugesetzt. Überall schwwimmt Müll herum und die Abwässer aus Haushalt und Toiletten fließen ungehindert in die Wasserstraßen. Sehr lange wird das wohl nicht mehr gut gehen…
Mehr Bilder gibt’s in der Galerie

Kurzbesuch in Bengaluru

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant in Bengaluru halt zu machen, doch mein nächster Zug in Richtung Kochi ging erst um 20 Uhr abends. Also stand ich nun um kurz nach 6 am Bahnhof und wusste relativ wenig mit mir anzufangen, hatte ich im Zug doch eher schlecht als recht geschlafen und die nächtliche Busfahrt nach Hampi steckte mir auch noch in den Knochen.

Dennoch erinnerte ich mich an den Hinweis einer netten Kreuzbergerin, dass man sein Gepäck ja im Cloak Room abstellen und dann die Stadt erkunden könne. Und genau das habe ich auch getan. Durch die belebten Straßenging es über den Gemüsemarkt zum Blumenmarkt und entlang der schönen und ruhigen Gärten im Herzen der sonst so lauten Stadt. Ein Plätzchen zum Mittagessen habe ich auch gefunden und konnte gestärkt wieder in die Bahn steigen, wo ich dann die dritte Nacht in Folge auf Rädern verbrachte. So langsam merke ich auch, dass das Reisen in Indien an den Kräften zehrt und sehne mich nach ein paar erholsamen Tagen unter Palmen am Strand. Das gibt es dann zum Schluss als kleine Belohnung 🙂

Die Ruinen von Hampi

Eigentlich ist das moderne Hampi nur ein kleines Dorf. Morgens halten die Nachtbusse am Basar und spucken die Touristen aus allen Teilen Südindiens aus und abends fahren einige wieder ab. Daher gibt es außer ein paar Restaurants, Shops und Hostels nicht wirklich viel Neues in Hampi. Dafür aber Altes! Der Ort lebt von den antiken Hindu Tempeln und den Palästen, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen und in einer fast surrealen Landschaft stehen.
Vieles wurde zerstört oder ist verschwunden, doch einiges kann noch entdeckt und nachvollzogen werden, auch wenn von den großen Palästen meist nicht mehr als das Fundament erhalten geblieben ist. Vieles müsste wohl noch gesichert und vor weiterer Zerstörung geschützt werden, doch in Hampi scheint die Zeit still zu stehen.

So kann man durch die einerseits karge und felsige, anderseits grüne und bepflanzte Landschaft ziehen, sich die Sonne auf den Kopf scheinen lassen und unzählige Tempel, Reliefs und Paläste bestaunen. Dabei wirkt die Kombination der Bauten mit der Landschaft wirklich atemberaubend. Kein Wunder, dass heute wieder über 40 neue Bilder in der Galerie gelandet sind.

Zu Gast bei den Hippies in Goa

3 Stunden vor Abfahrt des Zuges aus Mumbai kam die erlösende SMS von der indischen Eisenbahn. Mein Ticket ist doch noch vom Status „Waitlisted“ auf „Confirmed“ gesprungen und ich konnte ohne große Scherereien mit dem Zug nach Goa fahren. Auf dem Weg ergaben sich natürlich wieder einige Gespräche mit den anderen Reisenden. Unter anderem einem Inder aus Goa und einem Engländer aus Liverpool, der auch auf dem Weg an die Strände Goas war.

Vom Bahnhof Pernem ging es dann an die Küste nach Arambol. Der Ort quillt praktisch über vor Hippies und russischen Touristen. Dementsprechend sind die meisten Schilder auch in russischer Ausführung vorhanden und an jeder Ecke gibt es Gras und die dazugehörigen Raucherutensilien zu kaufen. Generell hat sich der Ort sehr stark an die Touristen angepasst und alle Bedürfnisse, von der Sonnencreme bis zum Flugticket, können befriedigt werden. Es kommt mir hier ein wenig vor, wie in Jericoacoara in Brasilien nur mit etwas mehr Müll.
Ich schaue mich also noch ein wenig in Arambol um und werde den Ort anschließend als Sprungbrett in Richtung der Ruinenstadt Hampi nutzen, bevor es weiter durch Südindien geht. Die nächsten Tage werden wohl etwas stressig, denn es gibt noch viel zu sehen und mein Visum läuft bald ab. Somit werde ich wohl einen kleinen Endspurt einlegen, damit ich noch 2-3 Tage am Strand faulenzen kann, bevor ich Indien verlassen muss.

Das bedeutet auch, dass ich die Website jetzt auf den neuesten Stand gebracht habe und sie die nächsten 3-4 Tage vermutlich nicht wirklich pflegen kann.

Auf Erkundungstour durch Mumbai

Nach einer nächtlichen Ankunft und dazu chaotischen Taxifahrt in Mumbai war erstmal der erste Stadtspaziergang angesagt. Kreuz und quer durch Mumbai Fort ging es zum Gate of India, zur Universität, Town Hall und so weiter und so weiter. Trotz der mächtigen Dunstglocke über der Stadt gab es vor allem britische Architektur zu bewundern, wenn man denn durch den dichten Stadtverkehr dringt.
Mumbai als Handelsmetropole Indien wirkt dabei auch ziemlich sauber und aufgeräumt. Ich habe gehört, dies sei dem Slum Dharavi und seinen Bewohnern zu verdanken.
Zum Abend begab ich mich an den Marine Drive, um mir den Sonnenuntergang über dem Meer anzuschauen, während sich die Skyline Mumbais langsam verdunkelt. Doch der dichte Dunst über der Stadt und dem Meer machte mir dabei einen Strich durch die Rechnung. Schon bevor die Sonne hinter dem Ozean eintauchte, war sie durch die dicke Luft nicht mehr zu erkennen und der Himmel war einfach nur grau.

Am nächsten Tag ging es dann nach Dharavi, den größten Slum Asiens. Mitten in Mumbai gelegen bildet das Viertel eine Stadt in der Stadt. Es hat sogar ein eigenes Industriegebiet, in dem ein Großteil der Abfälle Mumbais recyclelt wird. Vom Plastikbecher bis hin zu Alumium, das vor Ort in Barren geschmolzen wird. Dharavi ist auch der Ort, an dem mir trotz der vielen dort herrschenden Probleme, die bisher freundlichsten und aufgeschlossensten Menschen in Indien begegnet sind. Die Kinder lachen und winken und selbst die Älteren schienen sich über den Besuch zu freuen. Vielleicht lag es auch daran, dass der Tourveranstalter mit 80% seiner Einnahmen nach Steuern eine eigene NGO vor Ort unterstützt (http://realitytoursandtravel.com/).

Morgen geht es dann gegen Abend mit der Bahn hoffentlich weiter in RIchtung Süden. Ich stehe mit meinem Ticket mal wieder auf der Warteliste.
Bis dahin werde ich weiter mit der Kamera bewaffnet durch die Stadt ziehen. Zwischen lärmenden Autos, eifrigen Verkäufern und gestressten Geschäftsleuten, quer durchs hektische Mumbai!

In den Bergen von Darjeeling

Der Name Darjeeling ist, nicht zuletzt durch den Tee, weltberühmt. An den Ausläufern des Himalayas gelegen, verspricht der Ort eine gewisse Ruhe, frische Luft und natürlich ein herrliches Panorama aus Teeplantagen und Bergkulisse.
Hinauf ging es mit dem Toy Train, eine Schmalspurbahn, die sich die Hänge hinauf zur Hill Station quält und dabei unzählige Male die Straße kreuzt oder gar auf ihr fährt. Als eine der ältesten noch in Betrieb befindlichen Bahnen ist der Toy Train zum Weltkulturerbe ernannt worden. Leider spielte das Wetter bei meiner Ankunft nicht mit. Wolken, Kälte und ein fortwährendes Grau bestimmten das Bild von Darjeeling. Auch meine Unterkunft war eher enttäuschend, so wie eigentlich der gesamte Ort. Statt Ruhe und Idylle herrscht das alltägliche Hupen Indiens vor. Und an frische Luft war auch nicht zu denken. Die Abgase der Autos und Heizungen sorgen für ein Feeling wie früher im Ruhrgebiet. Ein grauer Schleier hängt in der Luft.

Entschädigung dafür gab es am nächsten Morgen. Ein herrliches Bergpanorama mit Sicht auf den Kunchenjunga im strahlenden Sonnenschein machte das eher negative Erlebnis wieder wett. Ganz weit entfernt im Hintergrund konnte maan sogar einen Blick auf den Mount Everest erhaschen.
Allen Reisenden nach Darjeeling kann ich nur empfehlen, genug Bargeld mitzunehmen. Es gibt hier zwar einige Geldautomaten, jedoch musste ich sechs verschiedene abklappern, um einen funktionierenden ATM zu finden,.

Kolkata

Schon auf der Fahrt vom Bahnhof zur Unterkunft wurden mir die Gegensätze Kolkatas vor Augen geführt. Auf der einen Seite die völlig überfüllten Straßen mit den Bürgersteigen, die zu Märkten umfunktioniert wurden und auf der anderen Seite die Neubauviertel mit ihren geplanten Wohnblöcken. Der Verkehr in der Stadt wartet dringend auf die Entlastung, die die in Bau befindliche U-Bahnerweiterung verspricht.

Am Tag nach der Ankunft ging es dann wieder ins Stadtzentrum. Hauptattraktionen der Stadt sind ohne Frage das Victoria Monument und die vielen verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten, wie der große Blumenmarkt und die vielen Obststände. Weiterhin lassen sich natürlich wieder einige Hindu-Tempel und Ghats besichtigen.

Kolkata oder Kalkutta, wie wir es bei uns immer noch nennen, ist für mich so ein wenig zum Paradebeispiel Indiens geworden. Zuerst erinnerte mich die Stadt ein wenig an Bangkok mit seinen Straßen über Brücken, dem in Bau befindlichen Skytrain und den vielen Lagunen und Kanälen. Doch dann war es auch wieder ganz anders.
Die Stadt ist wirklich quierlig und eigentlich genauso, wie ich mir Indien immer vorgestellt habe: überfüllt, laut, geschäftig. Und dazu steigt einem ein leckerer exotischer Duft in die Nase nur damit einem, 2 Meter weiter entfernt, vor Gestank kotzübel wird. Generell ist es eine Stadt voller Gegensätze, von prachtvollen Palästen zu unendlich vielen Armen und Obdachlosen, die ihr Leben vollständig auf der Straße verbringen.

Ich mag Kolkata richtig gerne, doch die Stadt befindet sich im Wandel, wie gesagt, wird viel für die Infrastruktur getan und überall gebaut. Mal sehen, wie es sich verändert. Leider geht es morgen für mich schon weiter, denn ich habe nach langem Warten dann doch Zugtickets in Richtung Darjeeling bekommen.

Bilder aus Kolkata gibt es natürlich in der Bildergalerie

Mit der Bahn nach Varanasi am Ganges

Eine Reise nach Indien ohne einmal den Ganges gesehen zu haben ist natürlich unmöglich und daher entschied ich mich dafür, mit der Bahn nach Varanasi zu reisen.
Allein die Bahnfahrt (18 Stunden von Delhi aus) war eine Erfahrung. Das Gewirr auf den Bahnhöfen, kaputte Anzeigen auf dem Weg zum richtigen Bahnsteig und ewig lang erscheinende Züge machen einem die Suche nach dem richtigen Sitzplatz im richtigen Waggon nicht gerade leicht und sorgen schnell für Verwirrung. Aber wenn man es sich erstmal bequem gemacht hat und eine Zeit lang einen netten Gesprächspartner hat, vergeht die Zeit doch recht schnell und es gibt sogar warmes Essen bis an den Platz gebracht.

Fahrkarten zu buchen und Sitzplätze zu reservieren ist dabei auch alles andere als einfach, wenn man es nicht über eine Agentur oder eine Unterkunft bucht. So geht’s halbwegs unkompliziert:

  1. Indische SIM Karte besorgen (eine Geschichte für sich), ohne geht es nicht.
  2. Direkt über http://www.indianrail.gov.in buchen (American Express Kreditkarte nötig)
  3. Alternativ über Cleartrip.com oder der passenden App buchen (geht mit dt. VISA Karte)
  4. Plätze aussuchen.

Nun kann man Glück haben und der Platz wird sofort bestätigt oder man landet erstmal auf der Warteliste. Auf jeden Fall bekommt man eine individuelle Buchungsnummer (PNR) und kann schauen, ob man auf der Warteliste nach oben rutscht und einen Platz bekommt und vor allem erfährt man am Tag der Abfahrt seinen genauen Sitzplatz und in welchem Wagen man gelandet ist.

 

Nun zu Varanasi: Ich wurde ja vorgewarnt, dass Varanasi ein dreckiger, stinkender, lauter Moloch und der Ganges total verdreckt sei. Und alles stimmt! Es ist eher noch schlimmer als man es sich vorstellt. Überall liegt Müll herum, dazwischen urinierende Männer und müllfressende Kühe. Der Verkehr ist das reinste hupende Chaos und überall ist der beißende Geruch von Fäkalien, Müll oder Qualm zu riechen. In den schmalen Gassen in Richtung Ufer sieht es nicht anders aus und neben Essen, Gewürzen und allerlei Zutaten für die heiligen Hindu-Rituale gibt es überall berauschende Substanzen zu erwerben. Denen ist wohl auch die spirituelle Erleuchtung, die einige in dieser Stadt gehabt  haben wollen, zu verdanken. Anders kann ich mir das in diesem Moloch kaum vorstellen.

Am heiligen Fluss dann angekommen, sieht man wo vieles von Müll und Fäkalien dann landet. Im Ganges. Dazwischen waschen sich Menschen im heiligen Wasser und nur ein paar Meter weiter stromaufwärts wird eine Leiche verbrannt und dem Fluss übergeben.

Bilder von Leichen oder dem Verbrennungsritual sollen nicht gemacht werden und sind somit auf dieser Website nicht zu finden.